Interview mit Clemens Schneider
Initiator vom 1. Gürtel Lärmschutz Lauf im Oktober 2025 mit seiner Nachbarschaft am Währinger Gürtel.
Clemens, Du hast dich im Sommer 2025 an die GÜRTEL LIEBE gewandt, um eine Aktion in deiner Nachbarschaft durchzuführen. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe die Gürtel Liebe Raddemos 2024/25 schon mitbekommen. Als Gürtelanrainer leide ich vor allem unter dem Lärm und der Luftqualität. So kam ich auf die Idee, den Menschen hinter der Gürtel Liebe eine Aktion direkt am Währinger Gürtel vorzuschlagen. Daraus wurde einige Wochen später der 1. Gürtel Lärmschutzlauf, der medial gerne aufgegriffen wurde.
Wie habt ihr euch organisiert?
Es war klar, dass wir eine Aktion von und mit den NachbarInnen machen wollen, die genau unsere Betroffenheiten aufzeigt. Also habe ich wöchentliche Planungstreffen ausgeschrieben und bin durch alle angrenzenden Wohnhäuser gegangen und habe mit den BewohnerInnen über unsere Belastungen gesprochen und sie eingeladen. Wir haben auch auf Social Media Werbung dafür gemacht. So konnte ich recht schnell rund 8 Menschen finden, die sich an der Organisation beteiligt haben. Das klingt nach nicht viel, aber wenn die Aufgaben gut verteilt sind, reicht das vollkommen, um einen Protest mit rund 150 Menschen auf die Straße zu bringen.
Was habt ihr AnrainerInnen übernommen, und wie hat die GÜRTEL LIEBE dabei geholfen?
Die Idee zum Lärmschutzlauf ist direkt beim Nachbarschaftstreffen entwickelt worden und wir haben natürlich die NachbarInnen möglichst persönlich eingeladen. Aber für die mediale Bewerbung der Aktion, die Anmeldung bei der Polizei und die Durchführung war das Know-How und die Ausrüstung, die sich innerhalb der Gürtel Liebe gesammelt haben, immens wertvoll. Professionelle Pressearbeit und Dokumentation gibt es auch, das ist sehr wichtig für den politischen Erfolg.
Welchen Tipp würdest Du anderen Nachbarschaften mitgeben, wenn sie eine Aktion mit der Gürtel Liebe planen wollen?
Das wichtigste ist, daß sich ein paar NachbarInnen vom jeweiligen Gürtelabschnitt zusammentun und eine originelle Idee entsteht, um mediale Aufmerksamkeit zu generieren. Und was man gar nicht hoch genug einschätzen kann ist eine unterhaltsame Moderation, das hat bei uns die tolle Suse Lichtenberger übernommen. Neben all dem Ärger darüber, dass wir 2026 noch immer eine Autobahn mitten durchs Wohngebiet haben, die zum Rasen einlädt, ist es schön, wenn man bei so einer Aktion auch gemeinsam Spaß hat. Schließlich brauchen wir ja Motivation für weitere Aktionen! Und keine Scheu zunächst allein zu einem unserer Treffen zu kommen, es finden immer mehr Gleichgesinnte zu uns und wir sind deutlich bekannter geworden!
Was war das Resultat der Aktion?
Menschen, die bis jetzt anonym am Gürtel gewohnt haben, sind sich näher gekommen. In Krisenzeiten werden Sozialkontakte in der Nachbarschaft immer wichtiger werden – leider verunmöglicht der Gürtel aktuell noch den kurzen Tratsch am Gehsteig. Aber ich sehe großes Potential für diese Straße!

